Papst fordert Solidarität mit Fukushima-Opfern

Nach Hiroshima hat sich Franziskus in Japan mit einen weiteren Ort schweren Leids auseinandergesetzt: der Präfektur Fukushima. Überlebende des Tsunamis und der Atom-Katastrophe schilderten Franziskus ihre Erfahrungen.

Papst Franziskus hat den Opfern der Katastrophe von Fukushima Mut zugesprochen und mehr Unterstützung für sie gefordert. “Keiner baut sich von selbst wieder auf, keiner kann von allein wieder anfangen”, sagte das Oberhaupt der katholischen Kirche in Tokio. Er traf dort Opfer des verheerenden Tsunamis und der anschließenden Atomkatastrophe, die sich am 11. März 2011 in Fukushima ereignet hatten.

Japan habe gezeigt, “wie ein Volk in Solidarität, Geduld, Beharrlichkeit und Durchhaltevermögen zusammenstehen kann”, so der Papst. Gleichzeitig mahnte er, die Betroffenen seien auf dauerhafte Hilfe, Einsatz und Solidarität durch die Gemeinschaft angewiesen. Zudem gelte es, das zerstörte Gesellschaftsgefüge wiederaufzubauen.

Der Papst weist auf die Bedeutung des gesellschaftlichen Zusammenhalts hin

50.000 Menschen leben weiter in Notunterkünften

Franziskus erinnerte an mehr als 50.000 Evakuierte der Katastrophe, die seit acht Jahren immer noch in provisorischen Unterkünften wohnen müssten. Viele Bewohner der betroffenen Gebiete fühlten sich inzwischen vergessen mit ihren nicht endenden Problemen: Dazu zählten verseuchte Böden und Wälder sowie die langfristigen Auswirkungen der Strahlung.

Durch die Flutwelle starben an der Ostküste von Honshu offiziell 18.537 Menschen; mehr als 2.600 von ihnen wurden nie gefunden. Fast eine halbe Million Menschen musste in Notunterkünften untergebracht werden. 375.000 Gebäude wurden ganz oder zum Teil zerstört. In drei der sechs Reaktorblöcke von Fukushima kam es zu Kernschmelzen. Große Mengen radioaktiven Materials wurden freigesetzt und verseuchten Luft, Böden, Wasser und Nahrungsmittel. Rund 170.000 Bewohner wurden in den folgenden Tagen aus den betroffenen Gebieten umquartiert. Die Zahl der Toten im havarierten Atomkraftwerk und in unmittelbarer Nähe wurde mit etwa 600 angegeben. Langfristig wird mit bis zu 10.000 Todesopfern gerechnet.

Bischöfe fordern Abschaffung der Atomkraft

Der Papst erwähnte, dass sich japanische Bischöfe im Vorfeld besorgt über die fortdauernde Nutzung der Kernenergie im Land geäußert und eine Abschaffung der Atomkraftwerke verlangt hatten. Explizit zu eigen machte er sich die Forderung nicht.

Die Opfer selbst ermunterte Franziskus, “jeden Tag nach und nach vorwärts zu gehen”. Auch kleine Schritte seien wichtig, um für sie selbst und die künftigen Generationen eine Zukunft in “Solidarität und gegenseitigem Einsatz aufzubauen”.

Papst Franziskus in Japan (picture-alliance/AP Photo/J. Hong)

Der Papst tröstet den 16-jährigen Matsuki Kamoshita

Zuvor hatten fünf Frauen und Männer über ihre leidvollen Erfahrungen mit der Atom- und Flutkatastrophe berichtet. Der 16-jährige Matsuki Kamoshita erinnerte daran, dass es wesentlich länger als seine eigene Lebensspanne dauern werde, das verseuchte Land und seine Wälder wieder aufzubauen. Die Erdbebenüberlebende Toshiko Kato schilderte, wie ihr Haus zusammen mit dem gesamten Dorf und dem Deich fortgerissen wurde.

se/haz (kna, dpa)

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