Christos “The Umbrellas” erzielt fünffachen Schätzwert

Das Auktionshaus Sotheby’s in Paris hat die Kunstsammlung von Christo und Jeanne-Claude versteigert. Die meisten Exponate erreichten Zuschläge deutlich über ihren Schätzwerten.

Der Auktion fieberte die Kunstwelt mit besonderer Neugier entgegen. Denn es kommt nicht häufig vor, dass die persönliche Kollektion eines Künstlerehepaares meistbietend zum Verkauf steht. Die beim Auktionshaus Sotheby’s in Paris angebotenen Werke hatten die nimmermüden Verpackungskünstler im Laufe ihres bewegten Lebens zusammengetragen. Jeanne-Claude starb bereits 2009, Christo folgte ihr im Mai vergangenen Jahres. Laut Testament sollten die Werke zugunsten der Familie versteigert werden – 400 Lose insgesamt, ergänzt um einige Christo-Werke aus dem Nachlass. Für die meisten Exponate konnte bei einer Online-Auktion zwischen dem 8. und 18. Februar 2021 geboten werden. 29 Werke wurden am 17. Februar live in Paris versteigert.

Das Besondere an der Pariser Auktion besteht in der persönlichen Handschrift, die jede Kunstsammlung verrät, so auch diese: Der rote Faden in Jeanne-Claudes und Christos Kollektion sind nämlich die Künstlerkontakte – und Freundschaften, die der aus Bulgarien stammende Christo (1935-2020) und seine aus Französisch-Marokko stammende Frau (1935-2009) knüpften, zuerst in Paris, später in New York, von wo aus sie ihre berühmten Verhüllungsprojekte in aller Welt organisierten.

  • Christo und Jeanne-Claude: Was die Verpackungskünstler sammelten

    Artists at work

    Als Verpackungskünstler machten sich Jeanne-Claude und Christo weltweit einen Namen. In spektakulären Projekten verhüllten sie Brücken, Parks, Landschaften und sogar den Berliner Reichstag. Dieses Foto zeigt die beiden an einem Werktisch in ihrem New Yorker Atelier. Christo verstarb im vergangenen Jahr, seine Frau bereits 2009.

  • Ein Bild des Franzosen Yves Klein: Sein monochromes Ultramarinblau mit dem leichten Stich ins Rot übt eine Sogwirkung auf die Betrachter aus.

    Christo und Jeanne-Claude: Was die Verpackungskünstler sammelten

    Yves Kleins IKB 19

    Das monochrome Ultramarinblau mit einem leichten Stich ins Rot übt eine Sogwirkung auf die Betrachter aus und zieht sie förmlich ins Bild hinein. Erfunden hat es Yves Klein (1828-1962), das der französische Künstler sogar patentieren ließ. Christo freundete sich mit Klein in Paris an – und erhielt dieses Bild. Bei Sotheby’s wechselte es für 350.000 Euro den Besitzer – plus Gebühren.

  • Ein moderner Stuhlklassiker von Gerrit Rietveld.

    Christo und Jeanne-Claude: Was die Verpackungskünstler sammelten

    Signierter Rietveld-Stuhl

    Der Verpackungskünstler Christo liebte diesen Gerrit-Rietveld-Stuhl, wohl wegen seiner kompromisslosen Modernität und formalen Strenge, die im Kontrast zu den poetisch-romantischen Verhüllungsprojekten Christos stand. Der Stuhl kam für 170.000 Euro (plus Gebühren) unter den Hammer.

  • Ein Package von Christo aus früheren Verhüllungsmaterial

    Christo und Jeanne-Claude: Was die Verpackungskünstler sammelten

    “Christo’s Packages”

    Christo und Jeanne-Claude standen mehrfach vor der Pleite. Das Künstler-Paar finanzierte sich und seine Kunst zeitlebens ohne Subventionen. Einnahmen erzielten sie allein mit dem Verkauf von Drucken ihrer Entwurfszeichnungen, den Rechten an Fotos sowie von Teilen des Verhüllungsmaterials. Dieses Package aus Seide erstand ein Bieter telefonisch für 420.000 Euro. Mit Gebühren kostet es 520.700 Euro.

  • Das hölzerne Fernseher-Gehäuse von Nam June Paik gehört zur Kunstsammlung von Christo und Jeanne-Claude.

    Christo und Jeanne-Claude: Was die Verpackungskünstler sammelten

    Nam June Paiks Blick in die Röhre

    “Sonatine for Goldfish” (“Sonate für einen Goldfisch”) hat Nam June Paik (1932-2006) dieses hölzerne Fernseher-Gehäuse genannt. In vielen ähnlichen Werken brachte der aus Südkorea stammende Medienkünstler tatsächlich Goldfische unter – ganz wie in einem Aquarium. Christo und Jeanne-Claude fügten es ihrer Kunstsammlung bei. Für 15.000 Euro kam es nun bei Sotheby’s unter den Hammer.

  • Auf zwei Tellern liegen Schinken und Spiegelei, Eiskreme und ein Rindersteak.

    Christo und Jeanne-Claude: Was die Verpackungskünstler sammelten

    Oldenburgs Künstlerspeise

    “Bacon and Egg, Ice Cream and Beef Steak” heißt dieses Skulpturenduo von Claes Oldenburg. Der amerikanische Pop-Artist überließ Christo und Jeanne-Claude sein Studio in einem alten Fabrikgebäude in New York. Dort lebte das Künstlerpaar dann ab 1964. Im Tausch überließ Oldenburg Christo dieses Doppelwerk. Der neue Besitzer ließ es sich knapp 82.000 Euro kosten, Gebühren inklusive.

  • Ein schwarz-weißer Siebdruck mit dem Porträt von Jaqueline Jacky Kennedy.

    Christo und Jeanne-Claude: Was die Verpackungskünstler sammelten

    Andy Warhol, Jackie, 1964

    Unzählige Male machte der US-Pop-Art-Künstler Andy Warhol seine “Jackie” zum Thema seiner Siebdruck-Porträts. Jacqueline Kennedy, die populäre First Lady der Vereinigten Staaten, galt da längst als Identifikationsfigur. Christo und Jeanne-Claude hatten nie direkten Kontakt zu Warhol, sammelten aber seine Kunst. “Jackie” kam für 750.000 Euro unter den Hammer – plus 170.000 Euro Gebühren.

  • Zwei Entwurfszeichnungen des Projektes The Umbrellas zeigen Schirme in der Landschaft.

    Christo und Jeanne-Claude: Was die Verpackungskünstler sammelten

    The Umbrellas, 1991

    Es war eine ihrer spektakulärsten Interventionen und das einzige Projekt von Christo und Jeanne-Claude, das sich über zwei Erdteile erstreckte: “The Umbrellas” öffneten sich am 9. Oktober 1991 im japanischen Ibaraki und in Süd-Kalifornien. Bei einem Schätzpreis von 300.000 Euro wechselte diese Entwurfszeichnung für fast das Fünffache den Besitzer: 1,4 Millionen Euro, Gebühren nicht inbegriffen.

    Autorin/Autor: Stefan Dege, Torsten Landsberg

Viele Werke tragen Künstler-Widmungen

Das Gros der zu versteigernden Arbeiten stammt aus ihren frühen gemeinsamen Jahren – den späten 1950er und frühen 1960er – als Christo und Jeanne-Claude der Pariser Avantgarde angehörten. Dazu zählte auch Yves Klein, der Mitbegründer der ″Nouveaux Réalistes”. Mit dem Erfinder des berühmten IKB-Blaus schloss Christo Freundschaft. Beide tauschten Werke aus: Für eines seiner ″Packages” bekam Christo die kleine, vollständig blaue Leinwand “Blue Monochrome (IKB 19)” von 1958. Sotheby’s schätzte ihren Wert auf mindestens 200.000 Euro, unter den Hammer kam sie schließlich für 350.000 Euro. Weitere 86.000 Euro müssen die neuen Besitzer an Auktionsgebühren entrichten.

Zwei Teller mit Speisen - Spiegelei, Bacon und Beefsteak. Skulpturenduo von Claes Oldenburg.

Claes Oldenburg tauschte “Bacon and Egg, Ice Cream and Beef Steak” gegen ein frühes Werk Christos

Nicht wenige Werke der Auktion erzählen von solchen Freundschaften. So ist etwa Lucio Fontanas Bild “Concetto Spaziale, Attesa” (1963), das mit 300.000 bis 500.000 Euro taxiert und für 920.000 Euro inklusive Gebühren versteigert wurde, auf der Rückseite Jeanne-Claude gewidmet. Es hing einst an einer Wand des Chelsea Hotels in der 23rd Street, wo Jeanne-Claude und Christo nach ihrem Umzug in die USA zunächst logierten.

Unter dem Bild stand das einzige Möbel, das das Künstlerpaar aus Europa mitgenommen hatte – der moderne “Hoge Stoel” von Gerrit Rietveld, zeitlebens ein Lieblingsstück von Christo. Der Schätzpreis lag bei 80.000 bis 120.000 Euro, einem Bieter war der Stuhl insgesamt allerdings sogar 214.200 Euro wert.

Vor dem verhüllten Reichstag stehen viele Zuschauer.

Meisterstück: Eine Sensation war die Verhüllung des Deutschen Reichstages durch Christo und Jeanne-Claude

Im Chelsea Hotel lebten damals auch die Künstler Daniel Spoerri und Claes Oldenburg. Oldenburg bot an, dass Christo und Jeanne-Claude sein Studio in einem alten Fabrikgebäude übernahmen, wo sie dann ab 1964 lebten. Aus Fundstücken aus abgerissenen Häusern bastelte Christo hier seine “Store Front”-Werke. Im Tausch für eine frühe “Store Front”-Arbeit überließ Oldenburg Christo das Skulpturenduo “Bacon and Egg, Ice Cream and Beef Steak”. Es trägt die Widmung “to Christo from Claes”. Vor der Auktion war es auf 40.000 bis 60.000 Euro geschätzt worden. Am Ende summierten sich Zuschlagspreis und Käufergebühr auf 81.900 Euro.

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